Die drei Texte entstanden in einem Schreibworkshop mit Franziska Gänsler am 06.05.2025. Die Aufgabe lautete, mit jeweils fünf Sätzen drei unterschiedliche Kurzbiographien zu verfassen.
I. Mythos
Am Anfang war – keine Worte, Wörter, ein Name, dazu große Verwirrung, Finsternis, Urgewalt. Das ‘Wort’ als ‘Vernunft’ kam als Funke. Die ‘Vernunft’ überschätzt, übersteuert, das Licht blendet greller und greller und versteht nicht, dass es sich mit der ‘Wahrheit’ verwechselt. Vielleicht folgt dann der Moment von Tod und Wiederauferstehung, weil das Licht eine Wüste schafft und Verdursten und Leiden, dann: Die Rückkehr in den Schatten. Sind die Worte, die Namen (die Alten und Neuen) schließlich wie ein Faden der Ariadne, der aus der Unterwelt führt – weiß ich auch nicht, aber wäre chronologisch und temporal natürlich hoffnungsgebend.
II. Chuzpe
Sie sitzt da ständig stumm, verträumt und dann schreiend und um sich schlagend rum. Die Schläge und Demütigungen finden im selben unsichtbaren Raum statt wie dieses ‘sie’ selbst, weshalb jenes Porträt des Künstlers als jungem Mann aber auch gar keinen Sinn macht. Im nächsten Schritt wundert man sich über ihre Ambivalenzen und fürchtet so langsam, dass das nichts mehr wird mit der ‘straight line’. Von da an entscheidet die Göre sich zur fortlaufenden Durchkreuzung und lässt scheinbar alle Scham fallen. Ob da noch was brauchbares rumkommt, das weiß allein die Mutter Göttin, aber zum Umkehren ist es irgendwann auch zu spät, nicht wahr?
III. Manual
Zuerst wünschte ich mir, dass man sich fragte, woher diese Hartnäckigkeit? Dann, woran sie sich nährt? Das nächste wäre die Abwägung, wieviel Herz und Verstand eine gesunde, ausgeglichene Seele machen. Man müsste erkunden, wie viel da ständig im Verborgenen liegt und gehalten wird. Schlussendlich was und wen und wieviel davon zu welcher Zeit, um es fließen und fliegen zu lassen.
